Zur Einführung in den Begriff der Triangulation wird auf die wesentlichen Begriffsentwicklungen eingegangen und dargestellt werden, was das für qualitative Forschungsprojekte bedeuten kann. Im Unterschied zu mixed-methods-Designs wird hier daher nicht auf die Verbindung qualitativer und quantitativer Methoden eingegangen (vgl. dazu etwa Kelle 2014 oder Kuckartz 2014; Wirtz/ Strohmer im Bloq). Triangulation kann bei der Festlegung von Forschungsdesigns eine wichtige Rolle spielen und wird immer wieder als Gütekriterium qualitativer Forschung thematisiert (vgl. auch Flick 2011: 17-26).

1. Was ist Triangulation?

Denzin (1970) versteht unter Triangulation (l.) die Datentriangulation: zu verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten und mit verschiedenen Personen wird ein (soziales) Phänomen untersucht; (2.) die Investigator-Triangulation: verschiedene Forscher_innen beteiligen sich an der Datenerhebung; (3.) die Theorien-Triangulation: die Konstruktion des Forschungsgegenstandes durch unterschiedliche theoretische Ansätze gerät in den Blick und (4.) die Methoden-Triangulation: die Verwendung verschiedener Methoden der Datenerhebung und Datenauswertung innerhalb und außerhalb einer method(olog)ischen Schulen wird berücksichtigt. Denzin‘s Ziel war es dabei zu einer kumulativen Validierung beizutragen, indem sich die Schwächen der Methoden und Perspektiven ausgleichen sollten (vgl. auch Kalthoff 2010: 355). Denzin’s Systematisierung erfreut sich nach wie vor hoher Beliebtheit (vgl. etwa Elsner/ Viebrock 2015), dennoch wurde diese umfangreich kritisiert: Etwa die Vorstellung, dass ein Gegenstand unabhängig von den Forschungsmethoden existiere oder dass Methodenkombination geradezu zwangsläufig zu mehr Validität führe (vgl. auch Kalthoff 2010: 355f.). Denzin (1989) entwickelte seine Systematisierung daraufhin weiter und sieht Triangulation nun als Strategie zu einer komplexeren Vorstellung des Gegenstandes (vgl. auch Flick 2011: 17-21).

2. Was sollte man bedenken?

Kelle (2001) zeigt recht eindrücklich wie unterschiedliche methodische Ansätze auch andere Aussagen über den jeweiligen Forschungsgegenstand nach sich ziehen. In einer Studie mit Breidenstein (1998) untersuchte sie wie die Geschlechterunterscheidung im schulischen Alltag von den Kindern genutzt wird. Aus dieser Studie greift sie beobachtete Szenen des „Lästerns“ unter den Kindern auf. So zeigt sie, dass aus konversationsanalytischen Perspektiven die Abläufe des Lästerns in einer Gruppe analysiert werden und aus ethnographischen Perspektiven darlegt wird wie die (machtvollen) Praktiken des Ausschlusses funktionieren (Kelle 2001:200-204).

Flick (2011) teilt diese Sicht und resümiert: Es ist „vor allem dann legitim, von Triangulation zu sprechen, wenn den verschiedenen Zugänge in der Planung der Untersuchung, bei der Erhebung und Analyse der Daten eine weitgehende Gleichberechtigung in ihrer Behandlung und ihrem Stellenwert eingeräumt wird und sie jeweils in sich konsequent angewendet werden.“

3. Was bedeutet das gesagte nun? Ein Beispiel:

In meinem Dissertationsprojekt beobachte ich Unterricht in Grundschulen und führe Interviews mit den Lehrkräften durch. Hierbei beobachtete ich eine Szene im Mathematikunterricht, in der der Umgang mit Geld eingeübt wurde. Bei den Kindern gibt es Unmut, weil einige Papiergeld und andere Plastikgeld haben. Sosin, „das Inklusionskind“ (so wurde mir das Kind vorgestellt), zieht sich eine Mütze über den Kopf, läuft durch die Klasse und ruft „Ausrauben ich habe das Geld gestohlen!“ Ich beobachte Lachen bei den anderen Kindern. Die Lehrkraft bremst sie und möchte unmittelbar mit dem Unterricht fortsetzen. Im folgenden Interview erzählt sie mir, dass sie Sosin gebremst habe, damit sie nicht noch weiter ausgegrenzt würde. Die Triangulation der Methoden führt zu der Erkenntnis, dass die Lehrkraft das vergemeinschaftende Lachen der anderen Kinder nicht sehen kann und ihr Vorgehen entgegen ihrer Intention zu einer weiteren Besonderung Sosins führt.

4. Potentiale und Grenzen triangulierender Verfahren

Hier soll Triangulation nun als Strategie verstanden werde, die die Potenziale und Begrenzungen der methodischen Zugänge im Blick behält und in der Analyse der Daten darstellt. Dieses Vorgehen erfordert allerdings umfangreiches Wissen über die verwendeten Methoden und jeweiligen Methodologien. Kelle (2001) weist daher skeptisch darauf hin, dass in Qualifikationsarbeiten einzelne methodische Ansätze verfolgt werden sollten, die beherrscht würden (vgl. Kelle 2001: 206).

Je nach Fragestellung liegt die Verknüpfung verschiedener Perspektiven dennoch nahe und erscheint notwendig, um der Komplexität sozialer Wirklichkeit gerecht zu werden. Die Frage ist meines Erachtens allerdings wie eine Komplexitätssteigerung bzw. Wissenszuwachs bei gleichzeitiger Anschlussfähigkeit an die anvisierten Leser_innen stattfinden kann?

Abschließend möchte ich für eine experimentelle Haltung mit dem eigenen Wissen über Methoden und deren Triangulation plädieren. Es bedarf guter Planung, dennoch lernt man auch durch unvorhersehbare Fehler viel über einen Gegenstand und Methodentriangulation.

Literatur

  • Denzin, Norman K. (1970): The Research Act. Chicago: Aldine
  • Denzin, Norman K. (1989): The Research Act (3. Aufl.). Englewood Cliffs, N. 1.: Prentice Hall.
  • Elsner, D./ Viebrock, B. (2015): Triangulation in der Fremdsprachenforschung. : Bern: Lang.
  • Flick, Uwe (2011): Triangulation (3. aktualisierte Aufl.). Wiesbaden: VS.
  • Kalthoff, Herbert (2010): Beobachtung und Komplexität. Überlegungen zum Problem der Triangulation. In: Sozialer Sinn (11), S. 353–365.

Englischsprachige Literatur

  • Denzin, Norman K. (1989): The Research Act (3. Aufl.). Englewood Cliffs, N. 1.: Prentice Hall.

Artikel verfasst von Florian Weitkämper (2016)

Zitation:

Weitkämper, Florian (2016). Triangulation. QUASUS. Qualitatives Methodenportal zur Qualitativen Sozial-, Unterrichts- und Schulforschung. URL (https://quasussite.wordpress.com/triangulation/)