Bei der teilnehmenden Beobachtung, einer Methode die ursprünglich aus der Ethnologie stammt, wird das Handeln, das Verhalten oder die Auswirkung des Handelns / Verhaltens eines Untersuchungsobjekts (einer Person oder einer Gruppe Personen) vom Sozialforscher bzw. von der Sozialforscherin untersucht. Das Kennzeichnende dieser Methode ist die persönliche Teilnahme des Forschers an den Interaktionen der Personen, die als Forschungsobjekt bezeichnet werden können. „Dabei ist die Annahme leitend, dass durch die Teilnahme an face-to-face-Interaktionen bzw. die unmittelbare Erfahrung von Situationen Aspekte des Handelns und Denkens beobachtbar werden, die in Gesprächen und Dokumenten – gleich welcher Art – über diese Interaktionen bzw. Situationen nicht zugänglich wären.“ (Lüders 2001, 151)

Für Wissenschaftler/innen bedeutet die Anwendung der Methode der Teilnehmenden Beobachtung ein ständiges Hin- und Herschwenken zwischen Nähe (Teilnahme) und Distanz (Beobachtung), wobei die Distanz unabdingbar ist, um eine nötige wissenschaftliche Reflexion während der zu beobachtenden Interaktion möglich zu machen. Die Teilnahme kann von bloßer physischer Präsenz, die in sozialen Interaktionen schon eine Veränderung dieser auslösen kann, bis zur vollständigen Interaktion reichen. Werden in Folge oder während der Beobachtung Daten, z.B. in Form von Beobachtungsprotokollen oder Feldnotizen, erhoben, „kann man von teilnehmender Beobachtung als einer eigenständigen Methodologie der qualitativen Sozialforschung sprechen.“ (Lüders 2001, 151)

In der Forschungspraxis gibt es, neben vielfach diskutierten Fragen des Feldzuganges, des Feldaufenthaltes und des –ausstieges und der offenen Frage der Standards bzw. Gütekriterien im Zusammenhang mit der Teilnehmenden Beobachtung einige zu klärende und besonders die Teilnehmende Beobachtung betreffenden Aspekte. Erstens die Frage nach der Qualität und dem „Wesen“ der zu beobachtenden Einsichten im Vergleich zu anderen Erhebungsmethoden wie retroperspektiven Berichten der Beteiligten über die Situation. Zweitens ist „nach wie vor die Protokollfrage offen“ (Lüders 2001, 153). Teilnehmende Beobachter sind „in allen Phasen mit dem Problem der begrenzten Perspektive im Beobachten konfrontiert, da nicht alle Aspekte einer Situation gleichzeitig erfasst (und notiert) werden können“ (Flick 1996, 159). Lüders (2001, 153) gibt als dritten zu klärenden Punkt zudem an, dass „in der deutschsprachigen Methodologiedebatte nach wie vor die ethische Frage zu sehr auf die leichte Schulter genommen“ wird. So wird in der Forschungspraxis sowohl „weder der Daten- und Vertrauensschutz (…) noch die Frage der kulturellen Unterschiede zwischen denjenigen, die beobachten, und denjenigen, die beobachtet werden, bislang methodologisch sonderlich ernst genommen“ (Lüders 2001, 153).

Literatur:

  • Flick, U. (1996): Qualitative Forschung: Theorie, Methoden, Anwendung in Psychologie und Sozialwissenschaften. Reinbek bei Hamburg.
  • Lüders, C. (2001): Teilnehmende Beobachtung. In: Bohnsack, R.; Marotzki, W.; Meuser, M. (Hrsg.) (2001): Hauptbegriffe Qualitativer Sozialforschung. Opladen, S.151-153.

Weiterführende Literatur:

  • Lamnek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung. Weinheim u. Basel 2005, Kapitel 11: Teilnehmende Beobachtung, S-547-640.

Artikel verfasst von Alexander Linden (2007)