Inhaltsanalyse beabsichtigt die genaue Untersuchung von Kommunikation. Gegenstand einer solchen Analyse sind nicht nur die unmittelbar offensichtlichen Inhalte, sondern auch formale Aspekte, wie z.B. Vokabular, Satzbau und Wortwiederholungen im Fall von sprachlicher Kommunikation. Der Begriff des Kommunikationsinhaltes wird damit im Verständnis der Inhaltsanalyse weiter gefasst: Inhaltsanalyse begreift alle Eigenschaften von Kommunikation als Inhalt. Damit einher geht zum einen die Annahme, dass formale Kommunikationsaspekte ebenfalls bedeutungstragend sind und weit reichenden Einfluss auf die vermittelten Inhalte haben. Zum anderen arbeitet die Inhaltsanalyse eingedenk der Tatsache, dass Menschen mit der Art des Kommunikationsgebrauches auch ihre Einstellungen, ihre Ansichten und Deutungen von Wirklichkeit mitteilen. Das Vorgehen der Inhaltsanalyse wird damit mehr und mehr begreifbar als Methode, mit der aus Eigenschaften der Kommunikation gewisse Rückschlüsse auf Teilnehmer an der Kommunikation möglich werden.

Inhaltsanalyse in der wissenschaftlichen Praxis

Besonders in den Sozialwissenschaften findet die Inhaltsanalyse seit ca. 1930 Verwendung. Entsprechend viele Definitionsansätze können in der Literatur gefunden werden. Mayring unternimmt den Versuch, die Inhaltsanalyse prägnant aus sozialwissenschaftlicher Sicht zu skizzieren (Mayring, 2003, S. 12):

  • „Inhaltsanalyse hat Kommunikation zum Gegenstand, also die Übertragung von Symbolen […]. In aller Regel handelt es sich zwar um Sprache, aber auch Musik, Bilder u.ä. können zum Gegenstand gemacht werden.“
  • „Inhaltsanalyse will systematisch vorgehen. Damit grenzt sie sich gegen einen Großteil hermeneutischer Verfahren ab.“
  •  „Das systematische Vorgehen zeigt sich vor allem darin, daß die Analyse nach expliziten Regeln abläuft (zumindest ablaufen soll). Diese Regelgeleitetheit ermöglicht es, dass auch andere die Analyse verstehen, nachvollziehen und überprüfen können.“
  •  „Das systematische Vorgehen zeigt sich aber auch darin, dass eine gute Inhaltsanalyse theoriegeleitet vorgeht. Sie will nicht einfach einen Text referieren, sondern analysiert ihr Material unter einer theoretisch ausgewiesenen Fragestellung; […] Theoriegeleitet bedeutet dabei nicht Abheben von konkretem Material in Sphären der Unverständlichkeit, sondern heißt Anknüpfen an den Erfahrungen anderer mit dem zu untersuchenden Gegenstand.“
  •  „Sie [die Inhaltsanalyse] ist eine schlußfolgernde Methode […]. Sie will durch Aussagen über das zu analysierende Material Rückschlüsse auf bestimmte Aspekte der Kommunikation ziehen […].“

Zur vorbereitenden Verständnisvertiefung soll in dieser Zusammenfassung insbesondere die in der Wissenschaftstheorie begründete Differenz zwischen quantitativen und qualitativen Formen von Inhaltsanalyse herausgearbeitet werden: Zentral ist dabei die Fragestellung, auf welche Kommunikationsinhalte sich die Inhaltsanalyse beziehen kann. Vertreter eines quantitativen Forschungsansatzes wollen die Inhaltsanalyse eher auf die explizierten, manifesten Kommunikationsinhalte beschränken, die der Sender in offensichtlicher Form verfügbar gemacht hat. Unbetrachtet bleiben dabei die latenten Kommunikationsfunktionen zwischen den Zeilen. Eine derartige Inhaltsanalyse versteht sich als „objektive, systematische und quantitative Beschreibung des manifesten Inhaltes von Kommunikation“ (Berelson, nach Mayring, 2003, S. 11). Andererseits stellen Fürsprecher qualitativer Forschungsströmungen eher die nicht explizierten, latenten Kommunikationsinhalte in den Mittelpunkt der Analyse und fassen damit die Forschungsgrundlage weiter, als die Befürworter des quantitativen Paradigmas. Zudem sind systematisches Vorgehen und Objektivität unbedingt zu erfüllende Voraussetzungen, wenn die qualitativ-inhaltsanalytischen Methoden in der wissenschaftlichen Diskussion anerkannt sein sollen. Dies bedeutet im Idealfall, dass unterschiedliche Forschergruppen mit einer Inhaltsanalyse zum gleichen Forschungsobjekt auch zum selben Ergebnis kommen, selbst wenn die qualitative Inhaltsanalyse als Technik der Interpretation angesehen wird.


Hier gehts weiter zum Punkt „Abgrenzung: Quantitative und qualitative Inhaltsanalyse„.

Literatur:

  • Mayring, P. (2003). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim: Beltz.

Artikel verfasst von Jens Jenkner (2007)