Würde man verschiedene Interviewformen anhand der Kategorien „Strukturierung durch den Informanten“ und „Strukturierung durch den Interviewenden“ ordnen, ergäbe sich für ein biografisch-narratives Interview (narratives Interview link) eine hohe Strukturierung durch die Informanten und keine Strukturierung durch die Interviewenden. Ein klassischer Fragebogen, der ausschließlich aus geschlossenen Fragen besteht, würde keine Strukturierung durch die Informanten erlauben und eine hohe Strukturierung durch die Interviewenden.

Leitfadengesteuerte Interviews bewirken dagegen auf beiden Seiten eine mittlere Strukturierungsqualität. Ein Leitfaden besteht zum einen aus Fragen, die sicherstellen, dass bestimmte Themenbereiche angesprochen werden, die jedoch andererseits so offen formuliert sind, dass narrative Potenziale des Informanten nutzbar werden können. Deshalb sollte der Interview-Leitfaden nicht zu umfangreich sein. Ein Leitfadeninterview stellt somit sicher, dass interessierende Aspekte auch angesprochen werden und gestattet somit eine Vergleichbarkeit mit anderen Interviews, denen der gleiche Leitfaden zugrunde lag. Um einen Leitfaden entwickeln zu können, sind gute Kenntnisse des Objektbereichs notwendige Voraussetzung, da sich die Leitfragen in der Regel auf vorher als relevant ermittelte Themenkomplexe beziehen. Die Leitfaden-Handhabung erfolgt in der Regel flexibel und wird nicht im Sinne eines standardisierten Ablaufschemas gehandhabt, damit soll die Möglichkeit einer unerwarteten Themendimensionierung durch die Interviewten offen bleiben. Insgesamt hat der Leitfaden eher die Funktion einer Gedächtnisstütze und eines Orientierungsrahmens in der allgemeinen Sondierung.

Literatur:

  • Marotzki, W. (2003). Leitfadeninterview. In: R. Bohnsack; W. Marotzki & M. Meuser (Hrsg.), Hauptbegriffe Qualitativer Sozialforschung. Ein Wörterbuch. Opladen: Leske+Budrich.

Artikel verfasst von Regine Langenbacher-König (2004)