Was frage ich wie warum im Interview? Vor der Erhebungsphase gilt es einen Leitfaden zu entwickeln, in dem vorab Frageninhalte, Fragenarten und die ungefähre Reihenfolge der Fragen systematisch zusammengestellt und reflektiert werden. Gute Leitfäden werden einem Pretest unterzogen und durchaus während der Erhebung überarbeitet und ergänzt.

Grundsätzlich gilt: die Frageformen im Leitfaden müssen zur gewählten Interviewform passen. Für narrative Interviewformen, aber auch für offener gehaltene ExpertInneninterviews bedeutet das erzählgenerierende, offene Fragen zu formulieren, die den Interviewten die stärker von ihrem monologischen Rederecht gebrauch zu machen. In eher dialogisch angelegten Erhebungsformen, wie dem problemzentrierten Interview werden Leitfäden sehr flexibel eingesetzt. Die folgenden Hinweise beziehen sich auf narrative angelegte Interviewformen. Ausgehend von diesen Empfehlungen können einzelne Tipps auf das eigene Projekt graduell abgestimmt werden.

Der Leitfaden gliedert das Interview in Fragebereiche. Er muss als Ganzes und in seinen Teilen den Grundprinzipien der qualitativen Forschung gerecht werden und Offenheit ermöglichen. Er darf nicht überladen sein soll übersichtlich sein, nicht zu abrupten Sprüngen und Themenwechseln zwingen. Fragen, die längere Darstellungen nach sich ziehen, sollten am Anfang gestellt werden, sie sollten nicht abgelesen werden (Vorbereitung des Interviewenden!), Aspekte, die sich spontan ergeben, sollte Raum gegeben werden. Ein guter Leitfaden besteht nicht einfach aus einer Frageliste, sondern aus unterschiedlichen Frageformen: öffnende Einstiegsfragen, Stichworte oder exakte Formulierungen, als unverzichtbar eingeschätzte oder sich ergebende Fragen, am Ende des Interviews Fragen an die Erzählperson nach nicht zur Sprache gekommenen Aspekten. Die Maxime ist: so offen und flexibel wie möglich, so strukturiert wie aufgrund des Forschungsinteresses notwendig.