Im Gegensatz zur Alltagsbeobachtung ist die wissenschaftliche Beobachtung gekennzeichnet durch Zielgerichtetheit und methodischer Kontrolle (Bortz & Döhring, 2002 S 262 f.). Einzelne Beobachtungsverfahren können nach folgenden Kriterien/Dimensionen voneinander unterschieden werden: offen vs. verdeckt (hat das Beobachtungsobjekt Kenntnis von der Beobachtung?); teilnehmend vs. nicht-teilnehmend (interagiert der Beobachter mit dem Beobachtungsobjekt, oder nicht?); strukturiert vs. nicht strukturiert (gibt es ausführliche Beobachtungsschemata, oder nicht?). Anhand der letzten beiden Dimensionen lassen sich Beobachtungsverfahren in qualitative oder quantitative Datenerhebungstechniken einordnen. Die Kombination teilnehmend/nicht strukturiert (oder wenig strukturiert) kennzeichnet die qualitative Beobachtung, die früher vor allem in der Anthropologie und Ethnologie eingesetzt wurden (Feldforschung). „Das maßgebliche Kennzeichen der qualitativen Beobachtung ist der Einsatz in der natürlichen Lebenswelt der Untersuchungspersonen“ (zit. nach Lamneck, 1993).

Der Grundgedanke der qualitativen Beobachtung ist die, dass der Forscher die Nähe zum Untersuchungsgegenstand sucht, um die Innenperspektive des Beobachtungsobjektes erschließen zu können. Der Forscher erhält Daten, indem er an der natürlichen Situation teilnimmt. Besonders geeignet ist die Methode dann, wenn der Gegenstand in einer sozialen Situation eingebettet, der Gegenstandsbereich von außen schwer einsehbar und die Fragestellung einen explorativen, hypothesengenerierenden Charakter hat (nach Mayring, S 59) (1).

(2) Bortz & Döhring (S.340 ff.) unterscheiden sechs typische Arbeitsschritte der qualitativen Beobachtung. In der ersten Phase „Planung und Vorbereitung“, ist die inhaltliche Präzisierung des Untersuchungsthemas zentral, wie wohl nach den ersten Erfahrungen im Feld die eigentliche Fragestellung reformiert werden könnte. Teilnahme und Interesse an Aktionen im Feld, Ansprechen von Feldsubjekten, Ausbau von sozialen Kontakten, anwerben von Mittelleuten sind die wesentlichen Aufgaben der zweiten Phase „Einstieg in das Feld“. Ethische Fragen und die Rollenkonfusion zwischen engagiertem Teilnehmer und engagiertem Beobachter (Gefahr des Distanzverlustes) sind Schwierigkeiten mit denen sich der Forscher in der Phase „Agieren im Feld“ (selbst)kritisch auseinandersetzen sollte. Die klassische „Dokumentationsmethode der qualitativen Beobachtung“ ist das zeitnahe Führen eines Feldtagebuchs. Falls es der Untersuchungsgegenstand es zulässt, können Audio- oder Videoaufzeichnungen die Dokumentation ergänzen. Beispiel hierfür sind die Unterrichtsvideos der TIMS – Studie (Leuders, 2001). Die fünfte Phase ist der „Ausstieg aus dem Feld“, der schrittweise stattfinden sollte. Zuletzt beginnt die „Auswertung der erhobenen Daten“. Prinzipiell wird werden nach Regelmäßigkeiten und Regeln gesucht, die dann deskriptiv zusammengefasst werden. Ähnliche Themen können dann als Kummulation der Information in einer Themenmatrix dargestellt werden. Anhand dieser Klassifikation gelangt der Forscher zu Hypothesen über den untersuchten Objektbereich. Auch die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (acht Stufenverfahren) kann verwendet werden, um die Daten interpretativ auszuwerten (Lamneck, S. 202 ff) (3). So entwickelte Hypothesen oder Theorien können anschließend mittels quantitativer Verfahren überprüft werden. Insoweit ergänzen sich qualitative und quantitative Forschung.

(1) Kurze Darstellung der qualitativen Beobachtung: Mayring, P. (1993). Einführung in die qualitative Sozialforschung. 2., überarbeitete Auflage. München: Psychologie Verlags Union.

(2) Kurze Darstellung der qualitativen Beobachtung: Bortz, J. & Döhring, N. (2005). Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler. 3. Auflage. Springer Medizin Verlag Heidelberg.

(3) Ausführliche Einführung und Diskussion der Methode: Lamneck, S. (1993b). Qualitative Sozialforschung. Band 2: Methoden und Techniken. Weinheim: Psychologie Verlags Union.

Literatur:

  • Bortz, J. & Döhring, N. (2005). Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler. 3. Auflage. Springer Medizin Verlag Heidelberg.
  • Lamneck, S. (1993b). Qualitative Sozialforschung. Band 2: Methoden und Techniken. Weinheim: Psychologie Verlags Union.
  • Leuders, T. (2001). Qualität im Mathematikunterricht der Sekundarstufe I und II. Berlin: Cornelsen.
  • Mayring, P. (1993). Einführung in die qualitative Sozialforschung. 2., überarbeitete Auflage. München: Psychologie Verlags Union.

Artikel verfasst von Gerhard Meder (2007)