Die Verwendung von visuellen Daten in der qualitativen Forschung schließt seit jeher Bilder und Zeichnungen als Quelle ein. Zu Interpretation von Bildern in der Erziehungswissenschaft gibt es verschiedene bildhermeneutische Methoden und Herangehensweisen.
Bei der Verwendung von Kinderzeichnungen muss darauf geachtet werden, dass die Analyse von Gestaltungsprinzipien und kunsthermeneutische Interpretationsverfahren erst ab einem gewissen Alter der Kinder einsetzbar sind. Schuster (2000, S. 55-60) beschreibt die Veränderung der Ausdrucksmittel, den Grad der Abstraktion und die ästhetische Entwicklung von Kinderzeichnungen in Abhängigkeit von altersabhängigen Entwicklungsstufen. Jüngere Kinder legen wenig Wert aus die Qualität des Bildes, vielmehr ist der dargestellte Inhalt der Bezugspunkt, an dem sich die subjektive Wahrnehmung des Bildes ausrichtet. Mit anderen Worten wird also ein Bild als schön empfunden, auf dem ein positiv konnotierter Gegenstand abgebildet ist, ohne Berücksichtigung der Gestaltungsqualität. Einzig die Wirklichkeitstreue der Abbildung spielt eine bedeutende Rolle in der Beurteilung durch die der Kinder.

Die Fähigkeit zur Abstraktion, das Spiel mit Metaphern und die bewusste Gestaltung des Bildfeldes nach ästhetischen Kriterien entwickeln sich erst im Laufe der Zeit. Die Analyseinstrumente müssen also dem Entwicklungsalter des Kindes angemessen sein, und die in diesen Phasen üblichen Ausdrucksformen und Symbole sollten dem Forschenden geläufig sein.
Die (Kinder)Zeichnung ist ein Bedeutungsträger, der in einem sozialen Rahmen verortet ist, den es mit zu bedenken gilt. Neuss (2005, S. 336) hebt die „Notwendigkeit einer qualitativ-kommunikativen Herangehensweise beim Verstehen von Kinderzeichnungen hervor“. Er betont die Bedeutung der Einbeziehung der Kinder in den Forschungsprozess und die Betrachtung der Entstehung des Bildes, also des Zeichenprozesses.
Die Bedeutung des Bildes setzt sich „aus sinnlich wahrnehmbaren und imaginierten Elementen“ (Neuss, 2005, S. 337) zusammen. Es gibt also verschiedene Interpretationsebenen, von denen die Repräsentationsebene durch den Betrachter selbst, die Imaginationsebene aber nur durch den Bildautor (das Kind) erschlossen werden kann (vgl. Neuss, 2005, S. 337 f.)

Literatur:

  • Schuster, M. (2000). Kunstpsychologie. Kreativität – Bildkommunikation – Schönheit. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren.
  • Neuss, N. (2005). Kinderzeichnung. In L. Mikos & C. Wegener (Hrsg.), Qualitative Medienforschung. Ein Handbuch (S. 333-342.). Konstanz: UVK.

Weiterführende Literatur und Links:

  • „Der „kleine Unterschied“ in der Kinderzeichnung“ – Eine Analyse von Kinderzeichnungen auf Grundlage der geschlechtsspezifischen Sozialisationsforschung und Symbolik der Bildsprache – eine Untersuchung von Winfried Wolpert
    http://www.kunstlinks.de/material/wwolpert/unterschied.pdf