Das Videoprojekt „Forschungserfahrungen“ ist jetzt zum SoSe 2018 auf QUASUS online zugänglich. Was hat es damit auf sich?

Wir haben Forschende an der PH Freiburg interviewt und sie nach Ihren Erfahrungen in verschiedenen Forschungsprojekten gefragt. Die Interviews haben wir auf Video aufgenommen und heraus gekommen sind ca. 60 Clips. Wir haben journalistische Interviews geführt und die Antworten zu den jeweiligen Fragen dann mit einem Schnittprogramm aufbereitet und bearbeitet.
Die Videos für QUASUS zielen vor allem darauf ab, dass nicht nur die Theorie zu Forschung auf der Seite abgedeckt wird, sondern die Studierenden auch von den individuellen Erfahrungen von Doktorand*innen und Professor*innen lernen können. Weil die Erzählungen auch so anschaulich sind, hoffen wir, dass die Clips Lust auf Forschung machen. Wir hoffen auch, dass die Clips den Studierenden zeigen, dass Forschung kreativ und individuell gestaltet werden kann oder sogar muss. Von daher sehen wir die Videos als eine tolle Ergänzung zu den verschiedenen Artikeln auf QUASUS.

Gibt es Szenen aus den Interviews die besonders für alle „Forschungsneulinge“ interessant sind?

Wir haben zum Beispiel mehreren Interviewpartner*innen die Frage nach dem Feldzugang gestellt. Dabei kamen verschiedenste Erzählungen heraus: in einem Fall konnten per Email kaum Kontakte aufgebaut werden und erst im Feld hat es geklappt, die Leute direkt anzusprechen. Bei einer anderen Antwort wurde von einem sehr hierarchisches Verfahren erzählt, in dem erst unterschiedliche Instanzen angeschrieben und informiert werden mussten, bevor mit der „direkten“ Forschung begonnen werden konnte.
So kann man dann auch auf der QUASUS Website beispielsweise neben theoretischen Einführungen zur Datenerhebung auch Videos mit Erfahrungsberichten zum Feldzugang finden.
Toll ist auch, dass man bei den Videos einen Einblick bekommt, wie individuell die Forschenden mit den verschiedenen Methoden und Forschungsdesigns umgehen. In einigen Forschungen kamen so auch unterschiedliche Methoden nebeneinander und ergänzend zueinander zum Einsatz. Man muss sich also in einer Forschung nicht immer nur auf eine Methode festlegen.

Euch war wichtig die reale Erfahrung Forschender in den Vordergrund zu stellen, anstatt eine idealtypische Beschreibung von Forschungsprozessen abzubilden. Was hat dieser Zugang gebracht?

Er soll Nachwuchsforschenden den Druck nehmen, dass eine Forschung abzulaufen hat wie im Lehrbuch. In nahezu jeder Forschung und jedem Forschungsprozess kann es zu Irritationen kommen. Diese sollen den Forschenden aber nicht den Mut nehmen, sondern zu anderen Denkweisen anregen. Man muss lernen damit umzugehen und diese Irritationen als wichtigen (!) Teil des Prozesses sehen. In Lehrbüchern steht darüber aber kaum etwas und das könnte Foschungsneulingen eine falsche Idee von Forschung geben.
Daher denken wir, dass die Erzählungen von erfahrenen Forschenden viel eher ein Bild von der Forschungspraxis vermitteln und zeigen, wie man mit der Theorie zur Forschung praktisch umgehen kann.
Um individuelles Erfahrungswissen zu vermitteln, finden wir Videos besonders geeignet, da so die persönlichen Erfahrungen der Forschenden am unmittelbarsten weitergegeben werden können. Diese Art Wissen zu vermitteln finden wir sehr sympathisch.

!Hier geht’s zu den Videos!

Julia Faißt und Kevin Zäuner

© Quasus: Debora Niermann